Geschichte

Vom «suchenden Jäger» zum «jagenden Sucher»

Seit dem der Mensch Hunde als Haus- und Arbeitstier hält, nutzt er auch dessen natürliche Fähigkeit des ausgeprägten Geruchssinnes. Lange wurde diese Fähigkeit einzig zum Zweck der überlebenswichtigen Nahrungsbeschaffung genutzt. Der Jagdhund unterstützte den Jäger auf der Suche nach Wild, verfolgte dessen Fährte und führte den Menschen zum richtigen Ort. Historische Aufzeichnungen zeigen jedoch, dass schon im alten Ägypten der Hund zum Aufspüren entlaufener nubischer Sklaven eingesetzt wurde. Erste Anzeichen – wenn auch mit fragwürdigem, menschenverachtendem Hintergrund – für eine Personensuche mit Hunden.

Unrühmlicher Höhepunkt dieser frühen Form des «Personensuchhundes» war die Zeit der Sklaverei in den heutigen USA. Vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert kannte man die Sklavenjagd mit Hunden. Wurden anfänglich vor allem Bloodhounds eingesetzt welche für ihre Fähigkeiten der Fährtensuche bekannt waren, gleichzeitig aber instinktiv die aufgespürten Sklaven angriffen und bis zum Tod verbissen, begannen findige Geschäftsleute bald mit der Zucht und Ausbildung von spezialisierten Suchhunden. Der Handel mit «Slave-Trackern» (Sklavenverfolgern) wurde zu einem einträglichen Geschäft, welches sogar Züchter aus dem südlichen Amerika dazu bewog, speziell gezüchtete und ausgebildete Hunde anzubieten (z.B. Fila Brasileiro). Mit der Kapitulation der Konföderierten im Jahre 1865 wurde dieser Handel mit «Negro-Hunden» oder «Slave-Trackern» offiziell verboten.

Mantrailing heute –
von der Verbrecherjagd zur Vermisstensuche

Oft glaubt man, «Mantrailing» sei eine boomende Neuheit im Rettungshundewesen. Aller Blicke richten sich nach Amerika, wo die Wurzeln des Trailens – nicht nur wegen des Namens – liegen sollen.
Genaue Recherchen zeigen jedoch, dass Mantrailing, wie wir es heute kennen, gar nicht so neu, sondern auch in Europa schon seit über hundert Jahren bekannt ist:
1904 überführten Cäsar und Harras, die ersten offiziell im Polizeidienst stehenden Hunde Deutschlands, einen Sexualmörder. Nachdem die beiden Deutschen Doggen beim Opfer den Individualgeruch aufgenommen hatten, führten sie Polizeikommissar Franz Friedrich Laufer zum geständigen Täter. An Mantrailing errinnernde Abbildungen und erste Aufzeichnungen existieren allerdings bereits aus dem Jahre 1473 von Heinrich Mynsinger, zitiert in dem Buch «Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild» aus dem Jahre 1923. Im selben Buch wird der Einsatz von Schäferhunden im Polizeidienst beschrieben, welcher mit dem heutigen Mantrailing vergleichbar ist.

Kritiker an der Fähigkeit der Hundenase dürften mitverantwortlich gewesen sein, dass «Mantrailing» trotz unzweifelhafter Erfolge für viele Jahre praktisch in Vergessenheit geriet.
 Einer der grössten Kritiker war Konrad Most. 1913 startete er eine Testreihe zum Thema Fährtenhunde welche nach Beendigung des ersten Weltkrieges wiederholt wurde. Die Ergebnisse der Studien widerlegten die Fähigkeit der Geruchsdifferenzierung durch Hunde und bestärkten die These, Hunde könnten Fährten nur anhand von Bodenverletzung verfolgen.
Erste schriftlich fixierte Experimente zur Fähigkeit der Geruchsunterscheidung stammen allerdings schon aus den Jahren 1887 (G. J. Romanes, «Experiments on the sense of smell of dogs»), 1909 (Th. Zell, «Der Polizeihund als Gehilfe der Strafrechtsorgane») und 1926 (R. Blunk, «Die Ausbildung des Hundes zur Spurenreinheit»).
Auch im Angloamerikanischen Raum wurde die Fähigkeit zur Geruchsunterscheidung des Bloodhounds angezweifelt und in einer Studie von 1905 wurde belegt, dass Bloodhounds nicht in der Lage seien, zwei sich kreuzende Spuren zu unterscheiden.
Erst R. und R. Menzel (1930, «Die Verwertung der Riechfähigkeit des Hundes im Dienste der Menschheit») und B. Schmid (1937, «Umfang und Grenzen der Nasenleistung von Hunden») kamen zum Schluss, dass die Fähigkeit des Hundes wie er auf der Spur arbeitet (Fährte oder Individualgeruch) abhängig von der Art der Ausbildung ist. Moderne wissenschaftliche Studien beweisen zweifelsfrei, dass Hunde den Geruch von Menschen und anderen Säugetieren differenzieren können und selbst zwischen frischem und altem Geruch (Neu- und Altspur) unterscheiden können. Hunderte von Einsätzen von Mantrailern in den letzten Jahren unterstreichen die theoretischen Erkenntnisse der Wissenschaft mit realen Erfolgen.

Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten werden Personensuchhunde heute nicht mehr alleine für das Auffinden von Flüchtigen oder das Aufklären von Verbrechen gebraucht. Mantrailer-Staffeln werden in der Neuzeit vor allem auch für die Suche nach vermissten Kindern, Personen im Schockzustand (z.B. nach einem Unfall), abgängigen Altersheim-Bewohnern und anderen vermissten Personen eingesetzt. In der Schweiz werden solche Einsätze durch die Polizei oder staatliche Organisationen wie z. B. kantonale Katastrophenschutz-Dienste geleistet. In unseren Nachbarländern kommen auch Organisationen wie Malteser oder DRK mit ihren freiwilligen Suchstaffeln zum Einsatz. Neben der Einsatzarbeit gewinnt Mantrailing zunehmend im Freizeit- und Sportbereich an Bedeutung.

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